Fußball-Nationalheld Herbert „Schneckerl“ Prohaska nahm am Samstag, 1. März, im Stadtsaal Zwettl auf Einladung des Vereins Kulturzwickl Zwettl „Auf dem roten Stuhl“ von Bernhard Egger Platz, plauderte mit ihm über seine Karriere, seine Familie, das Älterwerden… – und griff auch zum Gesangsmikrofon. Damit bescherte er dem bestens gelaunten, begeisterten Publikum einen ganz wunderbaren, mitreißenden Abend.

Diese Veranstaltung war gleich eine zweifache Premiere: Bernhard Egger gastierte mit seiner Show „Auf dem roten Stuhl“ erstmals in Zwettl, außerdem war es der Auftakt der Gesprächsreihe „70 Jahre Herbert Prohaska“, mit der die beiden samt Band in diesem Jahr durch Österreich touren. Prohaska, der vom Publikum stehend und mit frenetischem Applaus auf der Bühne empfangen wurde, feiert zwar erst am 8. August seinen 70er, insofern waren die Zwettler die ersten, die mit ihm dank dieser Veranstaltung feiern durften.

Dank Lockenpracht wurde er zum „Schneckerl“

„Wie fühlt es sich an, wenn man auf den 70er zugeht“, war die erste Frage Eggers. „Net wirklich leiwand“, lautete die Antwort. „Ich werde 70 und fühle mich auch so!“ Seine lockige Haarpracht bescherte dem Fußball-Star dereinst den Spitznamen „Schneckerl“ (obwohl er daheim nur „Berti“ gerufen wurde), von den Schneckerln, die sein Markenzeichen waren, ist nichts mehr übrig, und obwohl der damals gar nicht so glücklich mit seiner Frisur war, „hätte ich heute gerne wieder so viele Haare“, gestand Prohaska. „Heute wärst Du damit wahrscheinlich ein Trendsetter“, meinte Bernie Egger.

Herbert Prohaska begann mit zehn Jahren mit dem Fußballspielen – mit seinem Vater als Trainer -, war mit 17 bereits Profi. Begonnen hat er beim SC Ostbahn XI, kam dann zu Austria Wien, feierte Erfolge als Nationalspieler, ehe es ihn als Legionär in sein „absolutes Traumland“ Italien verschlug, zu Inter Mailand und später zum AS-Roma. Nach seiner aktiven Karriere war er elf Jahre lang als Trainer aktiv. Zurzeit analysiert er Fußballspiele im ORF und schreibt Kolumnen für die Kronen Zeitung.

An seine Zeit als aktiver Fußballer erinnert sich der gelernte Automechaniker („Heute könnte ich höchstens noch einen Scheibenwischer auswechseln“) gerne: „Fußball ist heute professioneller, besser geworden, damals war er aber schöner.“ Am liebsten würde er noch immer spielen, „die Zeit als Trainer geht mir keine Minute ab“, denn der Spieler könne alles zeigen, der Trainer nichts.

„Schneckerl“ plauderte auch aus dem privaten Nähkästchen, ließ immer wieder seine tiefe Verbundenheit mit seiner Ehefrau durchklingen, mit der er bereits seit 50 Jahren verheiratet ist („Das ist eine Leistung – besonders für die Frau -, 70 zu werden ist keine Leistung!“) und erzählte Anekdoten über seine „Perle“ von Schwiegermutter, die 41 Jahre bei der Familie Prohaska lebte: „Meiner Familie und dem Fußball habe ich vieles zu verdanken, alles, was ich heute bin!“

Dritte Karriere des Herbert Prohaska

„Was sie im zweiten Set erleben, ist die dritte großartige Karriere des Herbert Prohaska, so etwas haben sie noch nicht gehört“, kündigte Bernhard Egger vor der Pause an. Und er versprach nicht zu viel: Gemeinsam mit der Band – Geri Schuller am Keyboard, Hanna Pichler (Gitarre, Geige, Gesang), Michael Egger an der Gitarre, Bassist Ricky Gold und Bernhard Egger am Schlagzeug – sowie Sänger Pete Art rockte „Schneckerl“ im zweiten Teil des Abends den Stadtsaal. Für die drei Heidenreichsteiner Musiker, die Egger-Brüder und Hanna Pichler, war dieses Konzert fast schon ein Heimspiel.

Der musikalische Bogen, der geboten wurde, war ein breit gespannter und reichte vom Rock’n’Roll-Hadern „Rockaround Sue“ über die Bellamy Brothers bis zu Adriano Celentanos „Azzurro“, von John Denvers „Country Roads“ (unter tatkräftiger Publikumsbeteiligung) über Georg Danzers „Schau Schatzi“ bis zu Wolfgang Ambros‘ „Zwick’s mi“. Fehlen durfte auch eine der Lieblingsbands Prohaskas nicht, nämlich CCR mit „Have you ever seen the rain“. Das Publikum bedankte sich mit Standing Ovations, Begeisterungsrufen und -pfiffen und frenetischem Applaus, wofür sich wiederum die Musiker mit drei Zugaben revanchierten, darunter „Rostige Flügel“ von „Kottans Kapelle“, das Hans Krankl populär machte, aber „nachdem wir 17-mal Meister geworden sind, sing’s jetzt ich“, schmunzelte Prohaska.

Der Abend war ein gelungener Mix aus Talk und Musik, voller feinem Humor, Spielfreude und Begeisterung. Man hätte noch stundenlang zuhören können.

Übrigens: Prohaska war in Italien so bekannt, dass sogar Adriano Celentano einst ein Autogramm von ihm begehrte. „Schneckerl“ wiederum besitzt bis heute keines vom italienischen Sänger. Also, wer noch eine Celentano-Autogrammkarte im Nachtkastl liegen hat, der weiß jetzt, wer Freude damit hätte…

Viele Promis am roten Stuhl

Bernhard Egger ist seit 2018 Gastgeber der Reihe „Auf dem roten Stuhl“, bei der er prominente Persönlichkeiten zum Gespräch bittet. Rund 150 Promis – Sportler, Politiker, Schauspieler, Kabarettisten usw., darunter auch viele bekannte Gesichter aus Deutschland – saßen bisher bereits auf seinem roten Stuhl, erster Gast war kein Geringerer als Willi Resetarits alias Ostbahn Kurti (†), der dieses Format mitentwickelte. Zu sehen ist die Show nicht nur auf YouTube, sondern auch in ORF III (nächster Ausstrahlungstermin: 24. April).

Danke an Dieter Edinger Stage Support Eventtechnik für die überragende Tontechnik und Andreas Pribitzer für das phantastische Licht und an Peter Koppensteiner für die großartigen Fotos.